Vom 9. bis 12. Jahrhundert war Bevensen geistlicher und wirtschaftlicher Mittelpunkt der Region. Entsprechend war die Siedlung befestigt mit Wallgraben, Palisaden und Toren zum Schutz der Märkte und Warenlager. Gegen Ende des 11. Jahrhunderts gründeten die Bevenser Bürger auch "Gilden". Sie sollten ihre Mitglieder wirtschaftlich absichern und zugleich die erstarkte Macht und Eigenständigkeit der Bürger demonstrieren.
Die "Schutzgilde" war ursprünglich eine Art Bürgerwehr. Sie organisierte den Dienst an den Befestigungsanlagen und sicherte die Siedlung gegen die von Osten an die Ilmenau vordrängenden Wenden ab.
Weil die Schutzgilde den Marktflecken an der Ilmenau sicherte, wurde auch das Zisterzienserinnen-Kloster vom damaligen Medingen (heute: Altenmedingen) nach Zellensen, dem heutigen Medingen verlegt. Bevensen wurde 1450 Klosterpfand und 1489 Klostergut.
Die daraus resultierende enge Verbindung zwischen Kloster und Schutzgilde hat sich bis heute erhalten: Traditionell nimmt die Äbtissin von Kloster Medingen als Ehrengast am jährlichen Schützenumzug der Gilde und am Schützenfest teil. Auch die Fahnen der Gilde, 1848 und 1912 von den Konventsdamen des Klosters gestiftet, werden außerhalb der Umzüge und des Schützenfestes im Kloster aufbewahrt. Gleiches gilt für den wertvollen Silberschatz der Gilde.
Mit Einführung der Feuerwaffen um 1500 wurde aus der Schutzgilde eine "Schießgilde". Ihr wurde 1529 im Zuge der erzwungenen Reformation und teilweisen Säkularisierung des Klosters durch Herzog Ernst den Bekenner auch die Aufgabe zugewiesen, das gesamte "Amt Medingen" zu schützen.
Als sich im 19. Jahrhundert die Einwohnerzahl Bevensens deutlich vermehrte, schien die "Schießgilde" zahlenmäßig nicht mehr stark genug zu sein, um den Schutz des Amtes zu gewährleisten. Sie wurde deshalb 1850 durch ein "Jägercorps" und 1851 durch ein drittes Corps erweitert, aus dem später die Schützenkompanie hervorging. Mit Erteilung der Stadtrechte für Bevensen 1929 wurden die drei Schützenkompanien der "Schützengilde" dem Rat der Stadt unterstellt.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Schützengilde wegen ihrer militärischen Organisation und Funktion zunächst verboten. Mit Genehmigung der damaligen Britischen Behörden konnte sich die "Bevenser Gilde" 1949 in alter Struktur neu konstituieren. Nur eine Unterstellung unter den Rat der Stadt wurde untersagt. 1952 wurde der Gilde ein Spielmannszug und 1967 auch eine Damenschießsport- und Jungschützenabteilung angegliedert.
Heute sieht die Schützengilde ihre wichtigsten Aufgaben darin, Brauchtum zu fördern, den Heimatgedanken zu festigen und den Schießsport im Sinne des 1861 gegründeten Deutschen Schützenbundes zu fördern.
Jedes Jahr wird am 1. und 2. Wochenende nach Pfingsten das große Schützenfest mit Politikern, Stadträten und Würdenträgern am Kurpark gefeiert. Dabei wird jährlich unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und der Gäste ein neuer Schützenkönig proklamiert. "Ausgeschossen" wird die Würde davor auf dem Schießstand der Gilde an der Heidestraße.
Spannend wird es am zweiten Wochenende: Dann wird beim "Kinderschützenfest" am Sonntag der Kinderschützenkönig ermittelt. Der Nachwuchs schießt allerdings nicht scharf, sondern zielt traditionell mit dem Pusterohr auf die Scheibe.
Der Schützenkönig repräsentiert die Gilde während des Jahres bei besonderen Anlässen, hauptsächlich aber bei rund 20 Schützenfesten, Bällen und Tafelrunden in der Region.
Beim Gang durch die Straßen fallen sie sofort auf: die schwarzweißen Zielscheiben. Rund 50 große schwarz-weiße "Königsscheiben" an den Hausfassaden zeigen an, dass in diesem Haus ein erwachsener (ehemaliger) Schützenkönig wohnt. Die kleinen Scheiben stehen für die Kinderschützenkönige.