Die Bevenser Totengilde - vermutlich 1293 gegründet - gilt als Vorläufer der späteren Versorgungskassen und Vorbild vieler anderer Totengilden, die sich insbesondere im norddeutschen Raum gebildet haben.
Die Totengilde war eine Art Versicherung auf Gegenseitigkeit, die es ihren Mitgliedern ermöglichen sollte, ihre Toten standesgemäß zu bestatten, "dass sie dann nicht zum Kirchhofe geschleppt, sondern getragen werden können".
In Bevensen nannte sie sich zunächst "Haupt- und Nothgilde" und erhielt ihre heutige Bezeichnung als "Totengilde Unserer Lieben Frauen Gilde zu Bevensen" wahrscheinlich erst während der Pest (1348-1350). Ihr gehörten fast alle Besitzer von Häusern des Fleckens an und sie fühlte sich mehr oder weniger für die Entwicklung Bevensens verantwortlich - wenngleich der ursprüngliche Zweck war "Totenbretter bey Zeiten zu kaufen und bei böser Krankheit einander beizustehen, damit ein jeder seine Toten nicht selbst begraben" müsse.
Schon im 14. Jahrhundert besaß die Gilde verschiedene Ländereien und Gärten. Das Land, häufig eine Schenkung von Gildegenossen, die ohne Erbe verstorben waren, wurde verpachtet. Weil auch jedes Mitglied beim Eintritt ein "Hausstättengeld" und "Gartenzins" bezahlen musste, hatte die Gilde bald ein großes Vermögen.
Heute ist sie allerdings eher als Traditionsverein und Sterbekasse mit gesunder Finanzlage einzustufen. Die Mitglieder erhalten bei Sterbefällen in der Familie ein "Totengeld" von derzeit 250 Euro. Gegenwärtig besitzt die "Totengilde Unserer Lieben Frauen Gilde zu Bevensen" neben einem kleinen Grundstück im Landschaftsschutzgebiet zehn Baugrundstücke, die sie auch an Nichtmitglieder zur Erbpacht für 99 Jahre vergibt.
1980 gab sich die Totengilde eine neue Satzung, hatte 2005 rund 200 Mitglieder. Mitglied können männliche Bevenser werden, die das 50. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und innerhalb der letzten fünf Jahre ein Grundstück im Stadtgebiet von Bad Bevensen erworben oder geerbt haben. Sie zahlen für sich und ihre Familienangehörigen einen einmaligen Mitgliedsbeitrag.
Jeden ersten Montag im Juli versammeln sich die Mitglieder zum "Gilräken". Wenn die Formalien erledigt sind und über die Verwendung des Überschusses aus der Gildelade entschieden ist, werden die Tonpfeifen gestopft und die Versammlung schmökt und singt vor sich hin. Selbst Nichtraucher müssen ihre Gildefähigkeit durch das richtige Stopfen und möglichst lange Rauchen mit einer Pfeifenfüllung unter Beweis stellen. Jedes Jahr müssen die neu aufgenommenen Mitglieder die Pfeifen für alle anschaffen, denn diese nehmen die Gildebrüder nämlich nach dem Abend als Sammelobjekt mit nach Hause.
Der Überschuss aus der Gildekasse wird für soziale und kulturelle Zwecke ausgegeben. In den letzten Jahren wurde beispielsweise die Restaurierung des Langensalza-Denkmals unterstützt.
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