Das Thema des Sonnenuhrgartens - die Erfahrung mit der Dimension "Zeit" - wird im Garten der Sinne versteckt und offen wieder aufgegriffen. Mit dem "Garten der Sinne" im so genannten Rabattenpark des nördlichen Kurparks ist ein außerordentlich stark betontes individuelles Erfahrungsfeld geschaffen worden.
Die einzelnen Erlebnispunkte gehen auf die Erkenntnisse des Künstlers, Pädagogen und Philosophen Hugo Kükelhaus (1900 bis 1984) zurück. Kükelhaus' Lebenswerk bestand darin, den Menschen in der automatisierten Welt des zwanzigsten Jahrhunderts einen Begriff von Wirklichkeit erhalten zu wollen, in dem sie als sinnliche und fühlende Individuen nicht verloren gingen. Begriff war für ihn immer Folge des Begreifens, Greifens, Tastens und Anschauens: "Nicht das Gehirn denkt, sondern der ganze Mensch".
Sein Credo: "Öffentlich benötigt werden Stationen, in denen der Mensch dadurch zur Wahrnehmung der universalen Gesetzlichkeit seines leiblichen Seins, seiner "inneren Natur" gelangt, dass er alle Gelegenheit wahrnimmt, sie wieder zu erkennen in der Gesetzlichkeit der "äußeren Natur" von Physik, Mechanik, Erd- und Wettergeschehen und dem Bios."
Dazu sollen im Garten der Sinne verschiedene Installationen anleiten.
Die Rotationsscheibe: Versetzt man die Tafel mit den schwarzen konzentrischen Quadraten und ihren abgerundeten Ecken in Rotation und konzentriert sich auf die schwarzen Linien auf weißem Grund, geschieht in der Wahrnehmung des Betrachters Seltsames: Plötzlich sieht es aus, als ob sich die Linien wellenförmig um den Mittelpunkt winden und sich im Wechsel zusammenziehen und ausdehnen.
Das begehbare Spiegelkaleidoskop: Was wir wahrnehmen, setzt sich aus Teilen zusammen, auch wenn wir uns der einzelnen Teile nicht bewusst sind. Die Teil-Stücke sind gewissermaßen die Ur-Teile des Gesehenen. Sehen heißt also "urteilen". Noch schwieriger ist es, sich selbst als Summe verschiedener Teile wahrzunehmen. Zu dieser Erfahrung möchte das Spiegelkaleidoskop verhelfen: Wer hinein geht, wird seinen Körper gleichzeitig aus verschiedener Perspektive sehen und so vielleicht zu einem anderen Urteil über sich selbst kommen.
Der Kleine Summstein: Schallwellen werden nicht nur von den Ohren gehört, sondern auch von Haut und Körper als Vibration wahrgenommen. Wer "seinen" Ton findet, kann erleben, wie die Schwingungen den ganzen Körper durchlaufen - er badet gewissermaßen in der eigenen Stimme. Dazu steckt man den Kopf in die Öffnung des Summsteins und summt in verschiedenen Stimmlagen. Je "stimmiger" der Ton, desto größer die Resonanz im Körper: Sie löst eine harmonische Vibration aus, die wie eine Tiefenmassage wirkt.
Die Klangsäule: Zum Hören gehören Schwingungen. Wie viele unterschiedliche Klänge durch das Anschlagen eines "toten" Materials erzeugt werden können, wissen wenige. Der Stein der Klangsäule teilt sich in seinen oberen zwei Dritteln in vier quadratische Säulen. Die Quader kann man mit der flachen Hand anschlagen oder mit der angefeuchteten Hand reiben und so unterschiedliche Töne erzeugen. Indem sich der "Spieler" auf die Frequenz und Eigenschwingung des Steines einlässt, erlebt er sein Spiel als lebendige Beziehung zu dem sonst "toten" Material. Bei der "richtigen" Frequenz entsteht ein voller, lang anhaltender tiefer Ton und die Schwingung des Steins überträgt sich auf Hände und Körper.
Die Strudel-Wirbelspirale: Die Spirale ist eine der Urformen des Lebens. Wir finden sie vom Schneckenhaus bis in die Milchstraße, sie ist auch die grundlegende Bewegungsform des Wassers. Wo es kann, bildet Wasser in Bewegung immer auch Strudel. Daran erinnert der gläserne Wasserzylinder. Mit einer Handkurbel kann das Wasser im Innern über ein Rührwerk in Drehung versetzt werden. Es rotiert in spiraliger Richtung, steigt an den Wänden hoch und bildet in der Mitte einen Sogtrichter, der bis zum Boden reicht.
Es gibt im Garten der Sinne natürlich auch etwas für den Geruchssinn: Um das Spiegelkaleidoskop herum angeordnet sind Beete mit verschiedenen Duftpflanzen.
Zum Nachdenken wollen die Zitate auf den Rückenlehnen der Holzbänke anregen. Sie entstammen den "Sonetten an Orpheus" und dem Gedichtzyklus "Vollendetes" des Dichters Rainer Maria Rilke.
An den drei Zugängen zum Kaleidoskop sind in den Boden Steinplatten eingelassen, die das Thema "Zeit" und Vergänglichkeit des Sonnenuhrgartens wieder aufgreifen:
Tempus edax rerum - Zeit zermürbt die Dinge.
Nihil interit - Nichts geht zugrunde.
Accidit in puncto quod non sperator in anno - Oft geschieht im Augenblick, was nicht einmal fürs Jahr erhofft wurde.
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