"Kleine Stadt mit großem Charme" überschrieb der königliche Autor einen Beitrag über die Fachwerkstadt und ihre Kopfsteingassen an der Jeetzel. Und er endete mit dem Bekenntnis: "Hitzacker, glauben Sie es mir, ist eine Reise wert, und diejenigen, die hier wohnen, wissen es." Der Autor war der 2002 verstorbene Prinz Claus der Niederlande. Eine Gedächtnisbüste des 1926 auf Gut Dözingen bei Hitzacker geborenen Prinzgemahls wurde im Juni 2005 von Königin Beatrix der Niederlande und Kronprinz Alexander vor dem neuen Rathaus enthüllt.
Hitzacker ist heute insbesondere wegen der "Sommerlichen Musiktage Hitzacker" weit über Deutschland hinaus bekannt. Sie sind das älteste bundesdeutsche Kammermusikfestival und feierten 2005 ihr 60. Jubiläum. Mit innovativen Projekten und einem einmaligen künstlerischen Konzept haben sie sich einen führenden Platz in der deutschen Festivallandschaft erobert.
Hitzacker liegt an der Mündung der Jeetzel in die Elbe im Biospärenreservat Niedersächsische Elbtalaue.
Ausgangspunkt für das idyllische Kleinstädtchen war eine Siedlung von 1160 um eine Burg Heinrichs des Löwen oberhalb des heutigen Hitzackers. Die Keimzelle des Städtchens wurde 1258 durch Herzog Albrecht auf einer Insel in der Jeetzel gelegt. Bis heute sind die wesentlichen Züge dieser Kernstadt erhalten geblieben. Die meisten der romantischen Fachwerkstraßen entstanden zwischen dem 17. und frühen 20. Jahrhundert. Nur das Zollhaus stammt von 1589.
Am besten erschließt sich der Charme der Stadt auf einem Spaziergang vom Drawehnertor über den Markt und die Zoll- und Elbstraße und links bis zum Kranplatz am alten Hafen, in dem immer ein paar Schiffe vor sich hindümpeln.
Vom alten Hafen führt ein mächtiger Fußgänger-Steg über den Jeetzelarm zum Burgberg. Von der Burg sind nur noch wenige unspektakuläre Mauerreste zu sehen, aber der Aufstieg über den Treppenweg lohnt sich gleich mehrfach. Einmal, weil man damit einen der nördlichsten Weinberge Deutschlands besteigt, zum anderen weil sich dem Rastenden oben auf den Sitzbänken ein phantastischer Blick über Hitzacker und die weite Elbeniederung zu beiden Seiten des Stromes öffnet.
Schon auf halber Höhe trifft man auf eine einzigartige Sehenswürdigkeit, deren einstige Pracht und Bedeutung nur zu erahnen ist: die ehemalige "Tanzkastanie". Heute ist das einzigartige Naturdenkmal trotz mehrfacher Operationen und vieler Stützstreben nur noch ein sterbendes Baumgeäst. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde darin getanzt. Besonders während der Kastanienblüte im Mai muss dies ein faszinierendes Erlebnis gewesen sein. Der Baum ist über 350 Jahre alt und wurde über Jahrzehnte so gezogen und beschnitten, dass seine Hauptäste etwa einen Meter über dem Boden waagerecht nach außen wuchsen, so dass darauf ein Tanzboden gelegt werden konnte. An dessen Rändern drängten die Äste dann wieder senkrecht nach oben. Im Mai waren die Tänzer damit von einem Paravent aus Blütenkerzen umhüllt. Sie tanzten also tatsächlich "im" Baum. Im Herbst mussten sie sich allerdings vor den stacheligen Früchten hüten. Auf einer ähnlich gezogenen höheren Astreihe wurde eine kleinere Plattform für die Musiker in die Baumkrone gebaut.
Familien und frühgeschichtlich Interessierten sei ein Besuch im "Archäologischen Zentrum Hitzacker" empfohlen. 1990 wurde es als erstes Freilichtmuseum der Bronzezeit eröffnet und bietet jede Menge Mitmachaktivitäten und Ausstellungen. Hier kann man den Alltag der Bronzezeit hautnah erleben.
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