Entstanden sie aus Viehkralen? Waren es wirtschaftliche Gründe oder ist die Bauweise dem slawischen Ursprung zu danken? Bis heute ist nicht endgültig geklärt, warum die Rundlingsdörfer im Wendland so angelegt sind. Meist wurden drei bis zehn Hofstellen um einen Dorfplatz mit einem einzigen Zugang in die Runde gebaut.
Nicht alle "Rundlingsdörfer" sind kreisrund, manche liegen auch hufeisenförmig um den Dorfplatz mit seiner Zufahrtsstraße. Mehr als 100 liebevoll gepflegte Rundlingsdörfer mit den typischen niederdeutschen Hallenhäusern, jedes ein Unikat, sind heute das Markenzeichen der Region Elbtalaue-Wendland.
Besonders sehenswert sind Lübeln, Göttin, Lensian, Bussau, Schreyahn und Satemin. Sie haben das überlieferte Bild einer bäuerlichen Siedlung im Wesentlichen bewahrt. Hier stehen Zwei-, Drei- und Vierständerhäuser in unterschiedlichstem Fachwerk nebeneinander.
Die reich geschmückten Steilgiebel zeigen zum Dorfplatz und tragen den so genannten "Wendenknüppel" oder Giebelspieß als Schmuck, manche aber auch die niedersächsischen Pferdeköpfe. Hinter den Häusern stehen häufig alte Eichen und umgeben das Dorf mit einem grünen Kranz.
Die meisten der Wendlandhöfe werden allerdings nicht mehr für die Landwirtschaft genutzt. In Schreyahn ist beispielsweise ein Stipendiatenheim für junge Künstler eingerichtet worden, in Satemin eröffnete ein Töpfer seine Werkstatt in einem Fachwerkhaus.
In Lübeln entstand um das Dorfrund das kulturelle Zentrum des Landkreises: Dorfgemeinschaftshaus, Museum im Hinterhaus, Kunsthandwerk im Stall. Der ursprüngliche Wendlandhof wurde um die Gebäude des Hofes des Johann Parum Schultze (1677 bis 1740) ergänzt. Er war Dorfschulze und gilt als Chronist des Wendlandes. In seinem aus Süthen versetzten Haus sind Zeugnisse über den bäuerlichen Alltag, über Familienleben und Hochzeitsbräuche, Agrarverfassung und Landwirtschaft, Rechtsprechung und Schule und vor allem über die wendische Sprache zu studieren.
Auffallend ist, dass Kirchen in der Architektur der Wendlanddörfer eine eher nebensächliche Rolle spielen. Als sie nach der im 12. Jahrhundert einsetzenden Christianisierung gebaut wurden, fanden sie meist keinen Platz mehr im Rund der Hofstellen und wurden deshalb abseits errichtet. Die kleinen Feldsteinkirchen mit ihren kurzen Türmen ragen imposant über die Apfelbäume an den Verbindungsstraßen der Dörfer. In mancher Kirche, zum Beispiel in Gistenbeck, Breselenz, Zeetze oder Luckau, sind gotische Schnitzaltäre zu bewundern.
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